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Flower-Power im Park
Premierenbericht / Mindener Tageblatt / 04.08.2007
Tucholsky-Bühne feiert mit "Harold & Maude" bezaubernde Premiere
Minden (mt). Die Flower-Power-Zeit wird im Botanischen Garten wieder lebendig. Dort spielt die Tucholsky-Bühne auf der eigens errichteten Drehbühne "Harold & Maude" und beweist einmal mehr ihr Gespür für bezaubernde Orte abseits ausgetretener Theater-Pfade.
In der romantischen Atmosphäre überzeugte zudem das Spiel der Amateur-Schauspieler und so spendete das Premierenpublikum am Donnerstag einen langen und herzlichen Applaus.
Von Ursula Koch
Dabei beginnt das Spiel durchaus makaber. Harold erhängt sich an einem der alten, hohen Bäume direkt neben der Bühne. Das Dienstmädchen Marie (Helga Meier) entdeckt den Sohn des Hauses Chasen und bricht in einen ausgedehnten Schreikampf aus, dem das Publikum mit einem ersten Szenenapplaus Respekt zollt. Harolds Mutter (Beate Schweinsberger) ist dagegen schon so an diese seltsamen Inszenierungen ihre Sohnes gewöhnt, dass sie nur bemerkt: "Du hast dich noch nicht einmal zum Essen umgezogen." Beate Schweinsberger findet genau die richtige Balance zwischen Gefühlskälte und Fürsorge, aus der sich Harolds Gemütslage erklärt.
n diese Szenerie bricht die ergraute Hippie-Frau Maude herein. Bettina Ehmer spielt sie zupackend, anarchisch und lebensbejahend. In Cowboystiefeln und Blümchen-Flatterkleid, mit einem mit Blumen und Federn geschmückten Bastkorb als Hut stapft sie resolut durch die Szene und schließt schnell Freundschaft mit Harold, der von Fabian Kaiser glaubwürdig sensibel und schüchtern verkörpert wird. Ehmer und Kaiser sind die Dreh- und Angelpunkte dieser Inszenierung und tragen wesentlich zum Gelingen bei. Daran rüttelt auch nicht der Texthänger von Bettina Ehmer, als sie mit Harolds Mutter zusammentrifft. Dem Zusammenprall zweier Welten fehlt es so zwar an Dynamik, doch ist es bewundernswert, wie sie sich aus der Begrouille wieder herausspielt.
Ausgang der Geschichte abgewandelt
Harold verliebt sich zum Entsetzen seiner Mutter in Maude und will ihr zu ihrem 80. Geburtstag einen Heiratsantrag machen. Doch Maude hat ganz andere Pläne, hat sich ihren Geburtstag als das Datum ausgewählt, an dem sie aus dem Leben scheiden will. Anders als in dem Kultfilm aus dem Jahr 1971 liefert Regisseur Eduard Schynol in seiner Inszenierung allerdings eine Begründung. Er lässt Maude in der vorletzten Szene in grauem Faltenrock und Strickjacke aller Farbe beraubt. Sie spricht davon, dass sich auch Elefanten zum Sterben von ihrer Herde zurückziehen. Maude entschwindet zwischen den Büschen des Parks.
Damit lässt es Schynol allerdings nicht bewenden, sondern erfindet noch eine Schluss-Szene hinzu: Maudes Tochter taucht auf und zwischen ihr und Harold entspinnt sich ein Dialog, der weitestgehend dem ersten Zusammentreffen von Harold und Maude entspricht. Das gibt der Geschichte zwar eine positive Wendung, doch lässt diese Szene die Dichte vermissen, die der Rest des Theaterstücks aufweist. Und was kann es schließlich schöneres geben als eine intensive Freundschaft jenseits aller Konventionen. Unter den Nebendarstellern ragt Randa Lillwitz hervor, die als doppelte Heiratskandidatin für Harold ihre Wandlungsfähigkeit zeigen kann sie überzeugt sowohl als naive Sekretärin wie als punkige Schauspielerin.
Ein glänzender Regieeinfall ist die Bande kleinen Helfern, die nicht nur Harold bei seinen Selbstmord-Inszenierungen assistiert, sondern auch die Drehbühne immer wieder in die richtige Position rückt. Sie tauchen mal als Engel, dann als Gartenzwerge oder Bombenleger auf, von Maike Constanzo liebevoll wie die ganze Truppe kostümiert. Zum Ende etwa trägt ausgerechnet Harold, den seine Mutter mit ihren Vermittlungsversuchen nervt, ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Date me". Auch die Drehbühne erweist sich für Stück und Ort als genau die richtige Wahl. "Harold & Maude" bietet einen bezaubernden Theaterabend im Park.
Weitere Aufführungen: 4., 18., 24., 25., 31. August, 1., 7. und 9. September jeweils um 20 Uhr, 5., 19. August und 2. September um 18 Uhr, Botanischer Garten (Eingang Friedrichstr.); Karten im Vorverkauf im Bücherwurm (Alte Kirchstr.) oder www.tucholsky-buehne.de; auch für die Abendkasse bleibt ein Kartenkontingent
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