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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Zwischen Despot und Menschenfreund
Premierenbericht / Mindener Tageblatt / 03.07.2004
Tucholskybühne stellt atmosphärisch stimmige Inszenierung des „Herrn Puntila” von Brecht vor
Von Ralf Kapries
Minden (pri).
Viel Applaus ertönte am Donnerstagabend im kleinen Innenhof der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule als Dank für eine gelungene Premieren-Vorstellung.
Das kann ja heiter werden: Die Tucholskybühne präsentiert in ihrem „SommernachtsRaum” jahreszeitlich passend „Herr Puntila” von Berthold Brecht.
Von lauen Sommernächten kann man in diesem Jahr wohl nur träumen; immerhin durfte das fröstelnde Publikum - sehr im Gegensatz zu Charly Braun als Puntila im Badehaus, dem in diesem Moment wohl aller Mitgefühl galt - ohne Wassergüsse von oben auskommen. Sein realistisches „Brrrr” wareinen Sonderapplaus wert.

Heiter soll es ja meist auf der Tucho-Bühne zugehen, getreu dem Motto „nix als Theater” und Eduard Schynols Credo, dass man lachend am ehesten Einsicht zeigt. Der Autor wollte „das Volk” ebenfalls unterhalten und Braun brillierte in seiner Rolle, so dass er das Publikum durch das lange Stück zog.
Trotzdem war es eine Lust, nach zwölf Bildern und inklusive Pause 145 Minuten Sommerfrische auf Plastikstühlen das geduldige Sitzfleisch mal wieder zu entlasten. Da kann und muss Regisseur Schynol noch mehr auf „Drive” drängen. Seine Schauspieler sind diesmal recht textklar und „schaffen” das-Stück in den weiteren Vorstellungen sicher auch schneller -und damit intensiver. Brechts Vorstellungen von Volksbelustigung sind eben nicht mehr auf der Höhe der Zeit und entfalten gelegentlich eine gewisse Bremswirkung.
Auch kritische Theaterbesucher müssen bei dieser Inszenierung keine Schnitzer beklagen. Das Ensemble ist konzeptionsgemäß sehr gemischt.
Dementsprechend unterschiedlich ist die Leistungsfähigkeit der Akteure. Schynol weiß sie jedoch an den Platz zu stellen, wo Regie und Spieler gemeinsam das Beste entwickeln können. So erlebt man ein Ensemble, dessen Freude am gemeinsamen Tun sowohl Leistung und Qualität bringt, als auch über Klippen hinweg hilft, mit denen Amateure nun mal zu kämpfen haben.
Vor den sommerlich luftigen Bühnenbauten entsteht die Atmosphäre von Puntila als eines wohlhabenden finnischen Gutshofes. Einigermaßen gesittet tragen auch zwei schmucke Junghähne mit ihren Hennen zum Ambiente bei. Sie laufen fröhlich Körner pickend herum, naschen gelegentlich Tagetes und fühlen sich als Bühnen-„Stare” sichtlich wohl. Es entsteht eine atmosphärisch stimmige Inszenierung -sehr „Brecht‘sch” mit Songs und einer guten Kapelle aus Wolfgang Tieben (Bratsche), Rudie Menzle (Klarinette) und Günther Roth (Posaune).
Dass Braun den betrunkenen Finnen Puntila mit fränkischem Dialekt spricht, stört überhaupt nicht. Im Gegenteil: Mit diesem Kunstgriff gelingt ihm der stufenlose Wechsel zwischen dem körperlich gefassten, aber leutseligen Gewohnheitstrinker und dem nüchternen, Hochdeutsch sprechenden Despoten. Selbst hier im Norden kennt man die Haltung vieler Süddeutscher, dass ein mundartlich nicht Bewanderter meist ein „Großkopferter” und mit Vorsicht zu genießen sei. Andererseits lässt der ihm sicher ebenbürtige Thomas Lange die soziale Zugehörigkeit Mattis zur Arbeiterschicht nicht zu sehr „heraushängen”.
Ein Blick auf die Besetzungsliste zeigt über 30 Namen, deren Einzelleistungen hier leider nicht angemessen gewürdigt werden können. Ihnen allen gebührt ein Lob und auch künftig ein voller Zuschauerraum.
Weitere Vorstellungen: 3., 9., 10.,15., 16. und 17. Juli, jeweils 20 Uhr. Kartenvorverkauf: Buchhandlung Bücherwurm, Alte Kirchstraße
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