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Schnipsel
Aphorismen von Kurt Tucholsky
Eine kleine unsortierte Ansammlung einiger Aphorismen Kurt Tucholskys, die er selbst "Schnipsel" genannt hat. Sie bestehen meist aus kurzen und oft bissig formulierten Kommentaren zur Tagespolitik der Weimarer Republik.
"Aber wenn wir nicht mehr wollen: dann gibt es nie wieder Krieg!" - "Schwarz-weiß-rote Erinnerungen", in: "Hamburger Echo", 30. Juli 1921, S. 1
"Alles ist richtig, auch das Gegenteil. Nur »zwar - aber«, das ist nie richtig." - "Schnipsel", in: "Die Weltbühne", 30. Dezember 1930, S. 999
"Alte haben gewöhnlich vergessen, dass sie jung gewesen sind, oder sie vergessen, dass sie alt sind, und Junge begreifen nie, dass sie alt werden können." - "Der Mensch", in: "Die Weltbühne", 16. Juni 1931, S. 889
"Das Christentum ist eine gewaltige Macht. Dass zum Beispiel protestantische Missionare aus Asien unbekehrt wieder nach Hause kommen -: das ist eine große Leistung." - "Schnipsel", in: "Die Weltbühne", 4. Mai 1932, S. 521
"Das deutsche Schicksal: vor einem Schalter zu stehn. Das deutsche Ideal: hinter einem Schalter zu sitzen." - "Schnipsel", in: "Die Weltbühne", 27. Mai 1930, S. 799f
"Das, was die Franzosen heute machen, ist eine Sünde am Geiste: sie tragen Brillen und germanisieren. Es gibt keinen noch so blöden, philosophischen, deutschen Schwindel, der dort nicht schwer begeisterte Adepten fände. Heidegger! Ein Philosoph, der nur aus Pflaumenmus besteht - das ist mal schön! Man versteht kein Wort - he, das ist nicht so, wie bei unsern albern klaren Schriftstellern! Dahinter muss doch etwas sein. Es ist eine Sünde." - Brief an Hedwig Müller vom 20. April 1934, Q-Tagebuch, in: Kurt Tucholsky: Briefe. Auswahl 1913-1935, Berlin 1983, S. 487
"Denn das ist Humor: durch die Dinge durchsehen, wie wenn sie aus Glas wären." - Brief an Mary Gerold, 4. Oktober 1918
"Denn nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein." - "Die Verteidigung des Vaterlandes", in: "Die Weltbühne", 6. Oktober 1921, S. 338f
"Denn wer die deutsche Sprache beherrscht, wird einen Schimmel beschreiben und dabei doch das Wort »weiß« vermeiden können." - "Vormärz", in: "Die Schaubühne", 2. April 1914, S. 381
"Der eigene Hund macht keinen Lärm - er bellt nur." - "Was machen die Leute da oben eigentlich?", in: "Uhu", 1. Juni 1930, S. 89
"Der geschickte Journalist hat eine Waffe: das Totschweigen - und von dieser Waffe macht er oft genug Gebrauch." - "Presse und Realität", in: "Die Weltbühne", 13. Oktober 1921, S. 373
"Der Mensch hat neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem, zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören." - "Der Mensch", in: "Die Weltbühne", 16. Juni 1931, S. 889f
"Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist." - "Was darf die Satire?", in: "Berliner Tageblatt", Nr. 36, 27. Januar 1919
"Der schönste Schmuck für einen weißen Frauenhals ist ein Geizkragen." - "Das Wirtshaus im Spessart", in: "Vossische Zeitung", 18. November 1927
"Der Wert eines Menschen hängt nicht von seinem Soldbuch ab." - Brief an Walter Hasenclever vom 4. März 1933
"Deutsche, kauft deutsche Zitronen!" - "Europa", in: "Die Weltbühne", 12. Januar 1932, S. 73
"Jubel über militärische Schauspiele ist eine Reklame für den nächsten Krieg." - "Über wirkungsvollen Pazifismus", in: "Die Weltbühne", 11. Oktober 1927, S. 555f
"Komische Junge sind viel seltener als komische Alte." - "Schnipsel", in: "Die Weltbühne", 8. März 1932, S. 377
"Man fällt nicht über seine Fehler. Man fällt immer über seine Feinde, die diese Fehler ausnutzen." - "Bauern, Bonzen, Bomben", in: "Die Weltbühne", 7. März 1931, S. 496
"Man hebt einen Stand am besten dadurch, daß man sich eine gute Konkurrenz schafft." - "Journalistischer Nachwuchs", in: "Die Weltbühne", 3. Januar 1928, S. 12
"Man kann eine Sache auch zwanzig Jahre lang falsch machen." - "Schnipsel", in: "Die Weltbühne", 8. März 1932, S. 377
"Menschen miteinander gibt es nicht. Es gibt nur Menschen, die herrschen, und solche, die beherrscht werden." - "Der Mensch", in: "Die Weltbühne", 16. Juni 1931, S. 889
(** Der Inhalt dieser Unterseite ("Schnipsel") ist verfügbar unter der "GNU Free Documentation License")
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