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''Mutter Courage'' atmosphärisch und dicht
Premierenbericht / Mindener Tageblatt / 19.08.2008
Tucholsky Bühne Minden beeindruckt mit Brechts Antikriegsstück im Fort A / Liebevolle Details eingearbeitet
Minden (mt). Mit der Inszenierung von Bertold Brechts "Mutter Courage" hat die Tucholsky Bühne unter der Leitung Eduard Schynols einen weiteren Entwicklungsschritt nach vorne getan, wie die glänzenden Premiere am Donnerstag bewies.
Von Ralf Kapries
Das Fort A als neue Heimat des Ensembles konnte mit diesem Schauspiel, das während des Dreißigjährigen Krieges spielt, seine Eignung als Spielstätte besonders deutlich machen. Folgerichtig hat Schynol den Kulissenbau sehr sparsam betrieben. Die flache Bühne erhielt eine Rampe, über die Mutter Courages kleiner Planwagen - eine raffinierte Konstruktion, die sich zu einem respektablen Marktstand ausklappen lässt - nach eindrucksvollem Gerumpel auf dem mit Kopfstein gepflasterten Mittelgang, auf die Hauptspielfläche gelangt.

Ein Schnäpschen in Ehren... Doch derlei Tröstungen gibt es bei Mutter Courage nur gegen Bares (von links: Beate Schweinsberger, Rudi Menzel und Stefan Diekmann).
(Foto: Ralf Kapries)
Es gibt einen halb verdeckten Holzverschlag zur Linken, ein paar die Bühne flankierende Birken, einen unordentlichen Lattenzaun und ein kleines Podium mit Dach, unter dem die Akkordeonspielerin (Henriette Neubert) mit ihrem regenempfindlichen Instrument Schutz findet, und das in seinen Umrissen an ein Wachhäuschen erinnert, dann ein paar Kästen und zwei Baumstamm-Abschnitte. Die massigen Sandsteinmauern der Reduite, die Treppenauf- und abgänge, ja selbst der im Wind wogende Bewuchs des Daches aber bilden bewusst den Hauptbestandteil der Kulisse.
Aber es ist nicht nur die Atmosphäre des Raumes, die hier wirkt. Vor allem die Ausgewogenheit der in sich stimmigen Inszenierung, bei der liebevolle Details zwar eingearbeitet, aber nicht als tragende Effekte eingesetzt werden, ist für den Erfolg ausschlaggebend. Es gibt fröhliche und ergreifende Szenen, Ausdruck von Fühllosigkeit der Soldaten und Notleiden der Zivilbevölkerung, Szenen voller Borniertheit und Bigotterie, Situationen, die sauer aufstoßen. Eine weitere Unterstützung erfährt die durch die stilvollen Kostüme (Maike Costanzo), die die fortschreitende Verschlechterung der Lebensverhältnisse im Verlauf des Krieges verdeutlichen. Die Inszenierung ist sehr dicht, die Spielleistung intensiv, so dass trotz relativ langer Spieldauer keine Langeweile aufkommt.
In der beeindruckenden Gesamtleistung des engagierten Ensembles gibt es kaum Ausreißer. Daher wirkt ein Laudatio Einzelner fast ungerecht. Aber natürlich hat Beate Schweinsberger als Mutter Courage eine tragende Rolle und trägt damit den Erfolg wesentlich mit. Ihr gelingt die Darstellung einer durchsetzungsfähigen Frau, die im Laufe der Entwicklung mehr und mehr verhärtet und verbittert.
Lena Meier spielt die schwierige Rolle der jungen, stummen Kattrin glaubwürdig. Helga Meier gelingt als ältere Kattrin mit ihrem verzweifelten Trommeln auf dem Dach eine starke Szene. Stefan Diekmann gibt nicht ohne Selbstironie den bigotten Feldprediger. Erfrischend unbekümmert agieren Fabian Kaiser als Eilif und Niklas Schröder als Schweizerkas. Julian Nolte verleiht dem Werber gemeine Schärfe.
Thea Luckfiel paarte als Evita aufgeregten Geschäftssinn mit Momenten der Rührung. Luckfiel und Heinfried Goebel als Obrist "Poldi" sind das Traumpaar des Stücks. Und zum Schluss noch ein Hoch auf die Ziege Emily und ihre tierische Partnerin, das Huhn Hildegard, für ihre hervorragende Rollendisziplin. Mögen ihnen Kochtopf und Bratröhre für immer fremd sein!
Weitere Aufführungen: 9., 15., 16., 29., 30. August, und 5., 12., 13. September, 20 Uhr; 24. August und 7. September, 18 Uhr. Kartenbestellung im Internet www.tucholsky-buehne.de, Vorverkauf im Bücherwurm, Alte Kirchstraße 21, in Minden.
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