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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Schlitzohr in der Zwickmühle
Premierenbericht / Mindener Tageblatt / 12.01.2008
Viel Applaus für "Hauptmann von Köpenick"
Minden (mt). Uniformen haben bei den Preußen eine wichtige Rolle gespielt und finden sich entsprechen auch in der Dauerausstellung des Preußen-Museums. Dass in diesen Tagen leibhaftige Uniformträger hinzukommen, liegt daran, dass die Tucholsky-Bühne im Ständersaal das Hauptquartier des Hauptmanns von Köpenick aufgeschlagen hat.
Von Ursula Koch
Für die stimmungsvolle und stimmige Umsetzung von Carl Zuckmayers "deutschem Märchen" erntete die Amateur-Schauspielertruppe um Eduard Schynol donnernden Applaus und untermauerte damit noch einmal, dass die Juroren mit der Wahl der Tucholsky-Bühne als Träger des diesjährigen Bürgerpreises ganz richtig gelegen hatte.

Unter den neidischen Blicken seines Kumpel (Julian Nolte, li.) wird Schuster Voigt
von der Plorösenmieze umgarnt. (Foto: Koch)
Nicht nur der Aufführungsort in der ehemaligen preußischen Defensionskaserne war mit Bedacht gewählt, sondern auch der Termin der Premiere: Am 9. Januar vor 118 Jahren wurde Tucholsky geboren und am selben Tag vor 100 Jahren starb Wilhelm Busch. Wie immer bei den Premieren stellte Eduard Schynol dem Spiel ein Tucholsky-Zitat voran: "Der Militarismus ist keine Geistesverfassung, vielmehr, er ist ein Geistesmanko." Das trifft genau die Intention Zuckmayers, der mit seinem Schauspiel nach einer wahren Begebenheit den preußischen Militarismus, die Bürokratie und den Untertanengeist aufs Korn nahm.
Der bunte Szenen-Reigen beginnt in der Uniformschneiderei Wormser in Potsdam. Hauptmann von Schlettow probiert seinen neuen Uniformrock an. Der Hauptmann wird von Stefan Diekmann mit der nötigen Steifigkeit und einem leicht nervösen Augenzwinkern verkörpert. Die Schau wird ihm allerdings beinahe von Julian Nolte gestohlen, der als Wormsers gelangweilter und unfähiger Gehilfe Willy zu sehr herumkaspert. Wenn er allerdings von seinem Chef aufgefordert wird, sich gerade zu halten, dann spannt er sich wie ein Flitzebogen und scheint geradewegs einer Busch-Zeichnung entsprungen. Herrlich. Vollends überzeugend ist er in der Rolle des Ganoven und Kumpel des Schusters Wilhelm Voigt, der von Rudi Menzel mit einer Portion rheinländischer Schlitzohrigkeit verkörpert wird.
Im Café, auf dem Polizeirevier und in der Schuhfabrik wird Voigts ganzes Drama offenbar. Als ehemaliger Zuchthäusler (Urkundenfälschung) bekommt er keine Aufenthaltserlaubnis, wenn er keine Arbeitsstelle vorweisen kann. Die Arbeitgeber allerdings wollen ihn ohne gültige Papiere nicht einstellen. Mit einem Einbruch ins Polizeirevier Potsdam erhofft Voigt, sich die Papiere beschaffen zu können, doch das führt wieder ins Zuchthaus. Als er kurz nach der Freilassung ausgewiesen werden soll, sieht Voigt keinen anderen Ausweg mehr, besorgt sich beim Trödler eine Uniform, stellt kurzerhand ein paar Wachsoldaten unter sein Kommando und marschiert im Rathaus von Köpenick ein.
Zum Schluss wird's märchenhaft
Den Bürgermeister lässt er verhaften, der Kämmerer händigt ihm eilfertig die Stadtkasse aus. Anders als bei Zuckmayer endet das Theaterstück bei Schynol auf der Bahnhofstoilette, wo sich der Hauptmann wieder in den Schuster Voigt verwandelt und die Bremer Stadtmusikanten zitiert: "Komm mit, sagte der Hahn, etwas Besseres als den Tod finden wir überall". Bei Zuckmayer dagegen stellt sich Voigt der Polizei, weil ihm ein Pass versprochen wird, und lacht mit den preußischen Beamten über den Streich. Schynol nimmt damit ein wenig den Akzent von der Kritik am Militarismus, lenkt das Augenmerk auf das Sozialdrama und betont damit die Aktualität des Stoffes.
Auf eine Modernisierung der Kulissen verzichtet der Regisseur, Kostüme und Bühnenbild atmen den Geist der Kaiserzeit, betont noch durch Projektionen von Fotos aus dem Berlin der Jahrhundertwende. Eine Vielzahl von Darstellern trägt dazu bei, ein lebendiges Bild jener Zeit zu zeichnen. Unter ihnen stechen besonders Stefan Diekmann, Charly Braun und Heinz Lankes hervor, weil sie in unterschiedlichsten Rollen ihre Wandlungsfähigkeit zeigen können. Ein bisschen Klamauk ist auch dabei, etwa wenn die Sträflinge unter der Anleitung des Direktors eine Schlacht nachspielen.
"Der Hauptmann von Köpenick" bietet einen unterhaltsamen Theaterabend mit Tiefgang.
Weitere Aufführungen: 12., 18., 19., 25., und 26. Januar sowie 9., 23. und 29. Februar jeweils um 20 Uhr, 13. Januar, 3., 10. und 24. Februar jeweil um 18 Uhr im Ständersaal des Preußen-Museums; Karten gibt es im Bücherwurm (Alte Kirchstr. 21) und an jedem Abend ein kleines Kontingent auch an der Abendkasse.
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