|
Stückauswahlmenü -- (
Öffnen / Schließen
)
|
Tucholsky Bühne Theater in Minden
|
|
20 12 |
20 03 |
|
20 11 |
20 02 |
|
20 10 |
20 01 |
|
20 09 |
20 00 |
|
20 08 |
19 99 |
|
20 07 |
19 98 |
|
20 06 |
19 97 |
|
20 05 |
19 96 |
|
20 04 |

|
- Pressespiegel
|
Tucholsky Bühne Theater in Minden
|
Theater bombardiert mit Fragen
Premierenbericht / Mindener Tageblatt / 01.07.1997
Tucholsky-Bühne hatte Premiere mit Wilders Endzeit-Stück „Wir sind noch einmal davongekommen”
Minden (mk).
Es war noch einmal ein heißer Sommertag. Eigentlich kein gutes Premieren-Wetter für das neue Stück der Tucholsky-Bühne; besser geeignet für einen Abend
im Biergarten zum Beispiel. Doch gleich der erste Akt dieses Klassikers von Thornton Wilder brachte Kühlung in die Doppelaula am Königswall: Er spielt zur großen Eiszeit, Mitte August, am kältesten Tag des Jahres.
von Manfred Kersten
Während das reichlich erschienene Publikum gegen die sommerliche Temperatur anschwitzt, kämpft oben auf der Bühne die Familie Antrobus stellvertretend für die gesamte Menschheit gegen das Erfrieren, ums nackte Überleben.

Eine typische Durchschnittsfamilie, bestehend aus schlauem Vater, fürsorglicher Mutter, braver Tochter und aufmüpfigem Sohn.
Der zusätzliche tiefenpsychologische Antipol verkleidet sich als Dienstmädchen-Vamp Sabina, ist aber unschwer als nahe Verwandte Mephistos zu identifizieren.
Alle fünf Hauptrollen sind von Regisseur Eduard Schynol gut besetzt:
Die Klischee-Familien-Figuren werden dank großer Spielfreude von den Akteuren randvoll mit glaubhafter Personality aufgefüllt, so daß zuzuschauen eine Lust ist.
Im-zweiten Akt - die Menschheit, Familie Antrobus also, ist nicht erfroren und hat überlebt -treffen wir alle am Strand wieder, wo man Holiday macht. Und zwar mit allem Schickimicki, der dazugehört. Besonders in diesen Szenen spielen die Tucholskys ihre komödiantischen Talente mit großer Publikumswirkung aus.
Des Stückes bitteren Ernst überspielen sie locker mit appetitlichem Witz und deftigen Gags. Die schönste Strandbelustigung ist zum Beispiel Rollstuhlfahren.
Kein Wunder also, daß die Sintflut kommt, um diese Dekadenz wegspülen zu wollen.
Aber Esmeralda, diese wahrsagende Hexenfee, weist ihnen den Fluchtweg zur Arche - und wieder einmal überlebt Familie Antrobus. Doch jetzt bekommt man auch im bequemen Publikumssessel das unangenehme Gefühl, daß die Endzeit langsam immer näher rückt: Im dritten Akt, nach Ende eines modernen Bombenkrieges, arrangiert sich Familie Antrobus zwar auf ein neues mit den Überresten einer Katastrophe, aber Mr. Antrobus hat keinen Bock mehr aufs Leben: „Ich habe ihn verloren, den Wunsch, neu anzufangen.” Sogar Mrs. Antrobus staunt: „Daß uns das Haus längst noch nicht auf den Kopf gefallen ist, bleibt mir ein Rätsel.” Nur Töchterchen Gladys fragt unbekümmert, wie lange es denn wohl noch dauere, bis der Milchmann wieder eine Flasche vor die Tür stellt?
Es ist ein pessimistisches Stück, eines, das keine fertige Antwort liefert. Das macht es so interessant und so aktuell: Denn es bombardiert die Zuschauer mit jenen Grundfragen, hinter denen immer auch noch ein paar Ausrufezeichen stehen.
Als der Vorhangfällt, spielt da die sommerliche Temperatur überhaupt noch eine Rolle? Ist es den 24 Mitwirkenden und Schauspielern der Tucholsky-Bühnegelungen, das Publikum mit Wichtigerem als Schwitzen,alsoauchunterderHaut anzurühren? Doch ja, das wohl; der kräftige Applaus zeigt's.
Aber wie lange bleibt das - schließlich sind wir es ja gewohnt, immer wieder noch mal davonzukommen?!!
Die Tucholsky-Bühne zeigt das Stück noch einmal am 5. September in der Doppelaula am Königswall um 20 Uhr.
|
- Pressespiegel
|
Tucholsky Bühne Theater in Minden
|