|
Stückauswahlmenü -- (
Öffnen / Schließen
)
|
Tucholsky Bühne Theater in Minden
|
|
- Pressespiegel
|
Tucholsky Bühne Theater in Minden
|
Feuerwerk der Späße verpufft etwas müde
Premierenbericht / Mindener Tageblatt / 24.03.2001
Tucholsky-Bühne inszeniert mit großem Aufwand "Romeo und Ju" frei nach Shakespeare / Das Drama endet diesmal glücklich
Von Ursula Koch
Minden (mt). Aus Julia wird schlicht Ju und Shakespeares berühmte Tragödie um das Liebespaar, das nicht miteinander glücklich werden darf, verwandelt sich in die derbe Komödie "Romeo und Ju".
Dass in der Inszenierung der Mindener Laiendarsteller von der Tucholsky-Bühne die Dinge nicht so laufen werden wie gewohnt, offenbart sich gleich in der ersten Szene. Ein als Dame verkleidetere Herr hat den guten William am Telefon, und das anno sechszenhundertsowieso. Der Dichter ist ganz unglücklich, weil er damals mit dem Schluss irgendwie Mist gebaut hat und nun dem Drama doch einen glücklichen Ausgang gönnen will.
Bühnenbild und Kostüme zeigen sich gleichermaßen farbenfroh, fantasievoll und üppig. Links wohnen hinter klassizistischer Fassade die Montagues und rechts in mediterran-umrankter Villa mit Balkon die Capulets. Auch in dieser Version von Regisseur Eduard Schynol sind die beiden Familien verfeindet, sind Tote auf beiden Seiten zu beklagen und dennoch verlieben sich die Kinder Romeo und Ju ineinander.
Dazwischen sind etliche Späße eingestreut: So spielt ein Klarinettist vor Beginn des Festes bei den Capulets den Schlager "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt". Aber auch ein handfester RockÕnÕRoll, ein Song von Freddy Mercury oder das Titel-Stück aus dem Film "Titanic" - natürlich von Romeo und Ju auf dem Balkon angestimmt - sind nahtlos in die Shakespeare-Vorlage eingefügt. Gelegentlich fallen Sätze aus anderen Theaterstücken, etwa aus "Dinner for one". Und die Liebesszene von Romeo und Ju als Schattenspiel hinterm Vorhang erinnert an die aus der Rocky-Horror-Show.
Die rund 60 Beteiligten, von denen rund 50 auf der Bühne stehen, gehen mit viel Liebe zum Detail zu Werk. Doch daran krankt diese Inszenierung auch: Mit zweieinhalb Stunden ist die Spieldauer zu lang geraten. Das ist ein Grund dafür, warum das Feuerwerk aus Gags und Späßen eher müde verpufft, als wirklich zündet. Am Rand ist gleich eine ganze Menagerie für die Erzeugung von Geräuschen aufgebaut. Das ist an sich eine schöne Idee, wenn nicht das Klatschen immer erst kommen würde, wenn dem Diener die Backpfeife schon beinahe nicht mehr weh tut. Das auf der Bühne umherstolzierende Huhn ist putzig, muss aber nicht unbedingt gefüttert werden. So entsteht viel Lauferei, die vom eigentlichen Geschehen ablenkt.
Texte werden vernuschelt oder manchmal so leise gesprochen, dass sie das Publikum kaum verstehen kann. Der zwar wunderschöne, aber unaufhörlich plätschernde Brunnen am Haus der Montagues tut ein übriges. Mit einigen Änderungen und etwas weniger Nervosität der Darsteller könnte "Romeo und Ju" aber doch noch ein Spaß für große und kleine Zuschauer werden.
Weitere Aufführungen: 24., 30. und 31. März sowie 6. April jeweils um 20 Uhr, 25. März und 1. April um 15 Uhr in der Doppelaula Minden. Karten gibt es im Mensakiosk und beim Bücherwurm.
|
- Pressespiegel
|
Tucholsky Bühne Theater in Minden
|
