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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Sieg über Blutgrätsche und Knochenkracher
Premierenbericht / Mindener Tageblatt / 21.06.2005
Viel Beifall bei Premiere der Tucholsky-Bühne: Kleines Waisenkind befreit Welt von Kinder fressenden Giganten
Minden (rkm).
„Willst du mich wirklich fressen?” Die ängstliche Frage der kleinen Sophie, als sie dem viel zu kleinen Koffer des Giganten entsteigt.
Der hat sie gerade aus dem Bett des Kinderheimes „gegrabscht und gekidschnappt” und mit großem Getöse durch die Nacht entführt.
Von Robert Kauffeld
Die zahlreichen Besucher der Tucholsky-Bühne konnten miterleben, wie Sophie, das kleine Waisenmädchen, aus dem Machtbereich der strengen Heimleiterin Frau Altvater in das Reich der schrecklichen Giganten entführt wurde.
Und was sie dort zu erwarten hatte, konnte sie nur ahnen, denn die hießen Blutgrätsche, Fleischklumpenfresser, Kinderkauer,
Knochenkracher oder so ähnlich. Sie aßen kleine Kinder für ihr Leben gern und wussten, dass die in Amerika nach Hamburgern, am Nordpol nach Eisbären schmecken und man im Winter besser Kinder aus „Ofenstedt” verspeist, wohl weil die schön warm sind.

Freundlicher Entführer hilft kleiner Waise
Schrecklich anzusehen, diese Giganten, zerzaust, in Lumpen gehüllt und mit Gesichtern, vor denen sich selbst die erwachsenen Zuschauer abwendeten. Wie schaffte es die kleine zarte Sophie nur, ihren Entführer zum Weinen zu bringen. Der hatte nie richtig sprechen gelernt und war ganz „trauersam”, ja erzählte sogar sein Geheimnis von den gesammelten Träumen und hatte bald
- das konnte man fühlen - die kleine Sophie so richtig gern, aber eben nicht zum Fressen.
Er war der BFG, der „Besonders Freundliche Großmann”, der sich schließlich zum Kampf gegen die bösen Giganten mit Sophie verbündete.
Dazu brauchten sie Unterstützung, und da konnte nur die Queen von England helfen. „Knabber di Schlabber di Schmutz” tritt noch das Gigantenballett auf, bevor „Matjestät” mit Soldaten und einem Hubschrauber die Welt von den bösen Giganten befreit.
Noch zwölf weitere Aufführungen geplant
Die Aufführung der Tucholsky-Bühne war ein köstliches Vergnügen für alle Zuschauer, und es war besonders eindrucksvoll, wie unbekümmert und sicher die elfjährige Karolin Bornemeier ihre so sehr umfangreiche Rolle spielte, ohne dass man den Eindruck hatte, den Vortrag eines gelernten Textes zu erleben. Das war kindgemäß und auch wohl deshalb so überzeugend.
Regisseur Eduard Schynol und seine etwa 40 Mitwirkenden auf und hinter der Bühne bekamen sehr viel Beifall. Die Tucholsky-Bühne, ein Theater-Verein, bei dem jeder mitmachen kann, wird nach dieser gelungenen Premiere bei den geplanten zwölf Aufführungen noch mit vielen Zuschauern rechnen können - und über neue Mitwirkende würde man sich besonders freuen.
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