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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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In jeder Hinsicht beeindruckende Aufführung
Premierenbericht / Mindener Tageblatt / 11.01.2010
Premiere der Tucholsky-Bühne: "Das Tagebuch der Anne Frank" im Café des Theaters
von Hans-Christoph Schröter
Minden (hcs). Trotz widrigen Wetters haben es sich viele Interessenten nicht nehmen lassen, die Premiere der Bearbeitung "Das Tagebuch der Anne Frank" im Café des Stadttheaters mitzuerleben.

Das Bühnenstück "Das Tagebuch der Anne Frank" erzählt die Geschichte eines jüdischen Mädchens, dessen Leben im Konzentrationslager endete, bevor es begann.
Foto: H.-C. Schröter
Die Regie führte Eduard Schynol, der selbst vor 25 Jahren die Rolle des Hausmeisters Kraler spielte und somit alle Feinheiten dieser Bearbeitung aus der Feder von Francis Goodrich und Albert Hacker kannte.
Literatur ist das Gedächtnis der Zeiten. Das gilt in bedrückender Weise bei diesem Stück. Man kann tausendmal lesen, dass Millionen von Juden während der schlimmen Nazizeit umgekommen sind, aber wenn man einmal einzelne Schicksale leibhaftig vorgeführt bekommt, dann beeindruckt dies in ganz anderer Weise. Dieses Mitgefühl zu erwecken, gelang in dieser Aufführung in zugleich brillanter und dadurch bedrückender Form. Man erlebte hautnah mit, was es heißt, wenn acht Personen auf engstem Raum zusammenleben müssen und wie schon kleinste Geschehnisse zu ernsten Konflikten führen können.
Die Charaktere waren äußerst lebensecht ausgesucht worden. Da war Wolfgang Tieben als Vater Otto Frank, der mit Engelsgeduld immer den Ausgleich suchte; Anne Möller-Thiel Mutter Frank stellte überzeugend die Schwierigkeiten mit ihrer Tochter Anne dar, wo keiner den anderen verstehen kann und jedes noch so gut gemeinte Wort zu neuen Konflikten führt. Margot Frank, Melina Alsdorf, spielte bestens Annes ältere brave Schwester, wobei das hausbackene Kleid und die Frisur noch ihre Rolle passend unterstrichen. Herr von Daan, in der beleibten Gestalt von Christoph Braun dargestellt, konnte ebenso ärgerlich wie gemütlich sein. Herrlich auch, wie er die Suada seiner Frau nachmachte. Ihm nahm man es ab, dass gerade er das knappe Brot stehlen wollte, das dann zu heftigster Auseinandersetzung mit Mutter Frank führte, die beinah in einer Katastrophe endete.
Ebenso überzeugte seine Frau, von Beate Schweinsberger gespielt, die sich noch in den Reizen ihrer Jugend sonnte. Peter, ihr Sohn, zeigte eine Entwicklung vom schüchternen und abweisenden jungen Mann bis hin zum doch einfühlsamen verstehenden Partner von Anne. Das war kein leichtes Unterfangen, aber gut gelöst von Felix Bornemeier. Von der Zeit gezeichnet und mit sichtbarem Nervenzucken verkörperte Stefan Diekmann den aufbrausenden Herrn Dussel trefflich. Er nahm kein Blatt vor dem Mund, als er trocken bemerkte, dass Peters entlaufene Katze schon in der Bratpfanne sei oder der Einbruch im Untergeschoss zum Verrat führen könne. Viel Liebe ging von Miep, Nina Pescheck und Kraler, Willi Südmeier, aus, die aufopferungsvoll für die versteckten Personen sorgten. Herausragend spielte auch Nurhan Bro die Anne, eine aufwendige Rolle. Mal sanft, mal aufbrausend, wieder nachdenklich ließ sie die vielen Facetten des Lebens deutlich werden.
Unsichtbare Macht: Die schwarze Polizei
Die Regie setzte sparsame Mittel ein und ließ die Worte und Stimmungen zum Tragen kommen. Ein guter Einfall war es, am Ende die schwarze Polizei nicht sichtbar werden zu lassen. Man hörte nur Hundegebell und ein fürchterliches "aufmachen!", worauf die jahrelang Eingeschlossenen ihren Judenstern wieder anlegten und schweigend ihr Versteck verließen. Erst zum lang anhaltenden Schlussbeifall wurde dann die schwarze Polizei sichtbar.
Man sollte sich die nächsten Aufführungen nicht entgehen lassen. Wer einen lebhaften Eindruck dieser vergangenen Zeit erleben will, darf sich diese in jeder Hinsicht beeindruckende Aufführung nicht entgehen lassen.
Karten gibt es in der Buchhandlung Bücherwurm, Alte Kirchstr. 21, Tel. (0571) 2 35 77 und im Express-Ticketshop, Obermarktstraße 28-30, Tel. (0571) 8 82 77.
Weitere Termine im Theatercafé (Tic): 14. Januar (20 Uhr), 17. Januar (18 Uhr), 22. Januar (20 Uhr) sowie 29., 30. und 31. Januar (20 Uhr) sowie im Februar und März. Mehr Informationen: www.tucholsky-buehne.de
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