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Schnipsel
Aphorismen von Kurt Tucholsky
Eine kleine unsortierte Ansammlung einiger Aphorismen Kurt Tucholskys, die er selbst "Schnipsel" genannt hat. Sie bestehen meist aus kurzen und oft bissig formulierten Kommentaren zur Tagespolitik der Weimarer Republik.
"Mich haben sie falsch geboren." - Brief an Dr. Hedwig Müller, 4. Mai 1934
"Missionare müssen indianisch lernen - mit lateinisch bekehrt man keine Indianer." - "Rote Signale", in: "Die Weltbühne", 29. Dezember 1931, S. 959f
"Möge das Gas in die Spielstuben eurer Kinder schleichen. Mögen sie langsam umsinken, die Püppchen. Ich wünsche der Frau des Kirchenrats und des Chefredakteurs und der Mutter des Bildhauers und der Schwester des Bankiers, dass sie einen bittern qualvollen Tod finden, alle zusammen. Weil sie es so wollen, ohne es zu wollen. Weil sie herzensträge sind. Weil sie nicht hören und nicht sehen und nicht fühlen." - "Dänische Felder", in: "Die Weltbühne", 26. Juli 1927, S. 339
"Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben." - "Kurzer Abriß der Nationalökonomie", in: "Die Weltbühne", 15. September 1931, S. 393
"Nie geraten die Deutschen so außer sich, wie wenn sie zu sich kommen wollen." - "So verschieden ist es im menschlichen Leben!", in: "Die Weltbühne", 26. Mai 1931, S. 776
"Shaw. So ernst, wie der heiter tut, ist er gar nicht." - "Schnipsel", in: "Die Weltbühne", 3. November 1931, S. 673
"Sie sprach soviel, dass ihre Zuhörer davon heiser wurden." - "So verschieden ist es im menschlichen Leben", in: "Die Weltbühne", 26. Mai 1931, S. 776
"Soldaten sind Mörder." - "Der bewachte Kriegsschauplatz", in: "Die Weltbühne", 4. August 1931, S. 191f
"Um populär zu werden, kann man seine eigene Meinung behalten. Um populär zu bleiben, weniger." - "Clément Vautel", in: "Vossische Zeitung", 30. September 1925
"Und nichts ist schlimmer als ein Buch anzufangen und es dann nicht mehr zu Ende lesen zu können." - "Gruppenakkord", in: "Vossische Zeitung" Nr. 390, 20. August 1931
"Was die Kirche nicht verhindern kann, das pflegt sie wenigstens zu segnen." - Pyrenäenbuch, Berlin 1927
"Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten." - "Kurzer Abriss der Nationalökonomie", in: "Die Weltbühne", 15. September 1931, S. 393
"Wem Gott Verstand gibt, dem gibt er auch ein Amt." - "Herren und Kerls", im "Berliner Tageblatt", Nr. 252, 2. Juni 1919
"Wenn die Amerikanerin so lieben könnte, wie die Deutsche glaubt, dass die Französin es täte - dann würde sich die Engländerin schön freuen. Sie hätte einen herrlichen Anlass, sich zu entrüsten." - "Nationales", in: "Die Weltbühne", 16. Februar 1926, S. 266
"Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel." - "Was darf die Satire?", in: "Berliner Tageblatt", Nr. 36, 27. Januar 1919
"Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut." - "Erfüllung", in: "Die Weltbühne", 24. September 1929, S. 494
"Wer die Freiheit nicht im Blut hat, wer nicht fühlt, was das ist: Freiheit - der wird sie nie erringen." - Brief an Arnold Zweig vom 15. Dezember 1935
"Wer die Enge seiner Heimat ermessen will, reise. Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte." - "Interessieren Sie sich für Kunst?", in: "Zürcher Student", Nr. 2, 1. Mai 1926, S. 64
"Wer in einem blühenden Frauenkörper das Skelett zu sehen vermag, ist ein Philosoph." - "Alte illustrierte Blätter", in: "Neues Wiener Journal", 18. Februar 1932
"Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele." - "Schloss Gripsholm"
"Wohin treiben wir? Wir lenken schon lange nicht mehr, führen nicht, bestimmen nicht. Ein Lügner, wers glaubt. Schemen und Gespenster wanken um uns herum - taste sie nicht an: sie geben nach, zerfallen, sinken um. Es dämmert, und wir wissen nicht, was das ist: eine Abenddämmerung oder eine Morgendämmerung." - "Dämmerung", in: "Die Weltbühne", 11. März 1920, S. 332
(** Der Inhalt dieser Unterseite ("Schnipsel") ist verfügbar unter der "GNU Free Documentation License")
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