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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Bei Lassie kannte man sich noch aus
Premierenbericht / Mindener Tageblatt / 01.04.2000
Tucholsky-Bühne mit „Sing, Mondkalb, sing” / Gelungene Übersetzung aus dem Englischen
Von Martin Steffen
Minden (mar). Geiselnehmer wollen meistens Geld oder Genossen freipressen.
Kenny nicht: „Ich will hier nur 'ne Unterhaltung in Gang bringen.” Allerdings mit vorgehaltener Pistole.
Eduard Schynol hat das Sozialdrama „A Madman Sings To The Moon” des Briten David Mark Thomson übersetzt und als „Sing, Mondkalb, sing” mit der Tucholsky-Bühne inszeniert.

In einem Cafe sitzen der Medienprofi Frank samt Mobiltelefon und die blasierte Pauline, bedient von der Servierhilfe Tanja, die auf eine Zukunft als Schauspielerin hofft. Dann stürmt der schmuddelige Kenny ins Lokal. Er wird abschätzig gemustert, kann sein Getränk nicht bezahlen, soll rausfliegen und greift zur Pistole. Das machtlose arme Würstchen kann nun allen seinen Willen aufzwingen und versucht sie zunächst in ein Gespräch über Filme zu verwickeln. Da offenbart sich schnell, dass Kenny mit der Welt einfach nicht zurecht kommt: „Die Lassie-Filme waren immer klasse. Da wusste man, woran man war.” Tanja, Frank und Pauline kommen mit Kenny nicht zurecht. Sie bitten, drohen und versuchen seine Motive zu ergründen. Stattdessen holt jedoch Kenny Ängste, Sorgen und Sehnsüchte aus seinen Geiseln heraus und bringt deren Welt durcheinander. Seine eigentliche Waffe ist seine naive Logik und ein bissiger, schlagfertiger Humor.
Weshalb Kenny so „durcheinander” ist, wird erst gegen Ende deutlich. Dem später eingetroffenen Professor Cranbert gelingt es, die Situation zu entschärfen. Kenny verschwindet - die Nachdenklichkeit bleibt.
Auf dieses gute(?) Ende müssen die Zuschauer jedoch sehr lange warten. Die Handlung ist komplex, ihr Verlauf gerade im ersten Akt aber zu lang, ohne dass diese Länge weitere Erkenntnis bringt. Zeitweise wirkt auch der räumliche Abstand zwischen Szene und Publikum zu groß; allerdings spielt sich in diesem Leerraum zumindest im Finale einiges ab. Zunächst schaffen einige Meter blanker Bodenfliesen aber zuviel Distanz.
In „Sing, Mondkalb, sing” flitzt nur die Hauptfigur Kenny ständig hin und her. Frank, Pauline, Tanja und der Professor sind meist an ihren Plätzen und werden dort von Christoph Braun inderRolledes Kenny angegangen. Durch diese Vorgabe dominiert dieser über die übrigen Darsteller Karl-Heinz Ochs (Frank), Jana Bonn (Tanja), Bettina Ochs (Pauline), und Ulrich Dutz (Professor). Sie können in den ihnen zugewiesenen Rollen nur sehr eingeschränkt agieren und wirken dadurch farbloser, als sie es verdienen.
Weitere Aufführungen: 5., 7., 8. und 14. April jeweils um 20 Uhr und am 9. April um 16 Uhr im Theater Cafe.
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