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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Noch etwas Mut zu mehr Emotionen
Premierenbericht / Neue Westfälische / 29.06.2002
Minden (WB).
Die Messlatte lag hoch. Carl Zuckmayers Vorlage zu „Der Rattenfänger” lebt von Dialogen, viel Text und wenig Aktion. Ein nicht immer leichtes Unterfangen aber das Ensemble der Tucholsky-Bühne war den Anforderungen bei der Premiere in der Doppelaula über weite Strecken gewachsen.
Von Andreas Schöneberg
So konnte die Spannung bis zum Ende gehalten werden und über gelegentliche Durststrecken konnte man wohlwollend hinwegsehen.

Den Kern der Sage des Rattenfängers findet man natürlich auch in Zuckmayers Version wieder. Auch hier befreit der Rattenfänger „Bunting” die Stadt von ihrer Plage. Zuckmayers „Hameln” ist zerfressen von Korruption und Machtgier. Die Herren der Stadt beuten das arme Volk in der hinteren Stadt schamlos aus und dort rumort es. Der Hoffnungsträger Bunting jedoch hat zunächst anderes im Kopf. Er hat ein Auge auf Rikke, die Tochter des Henkers geworfen. Ein Aufstand geht zunächst schief, auch weil Bunting den Verführungskünsten Divanas (Beate Schweinsberger) - der Gattin des Stadtregenten Gruelhot - nicht widerstehen kann. Es gibt viele Tote, unter ihnen Rikke. Siegt das Böse also immer? Nein, Gruelhot erkennt seine moralische Schuld und wählt den Freitod am Galgen.
Regisseur Eduard Schynol hat sich bei der Inszenierung an die Vorgabe der starken Textorien-tiertheit gehalten, sparsame Kulisse, wenig Kostümierung. Sehr energiereich und perfekt Platt sprechend spielte Heike Dannenberg die Rolle des Hostienbäckers und - für das Stück wesentlich wichtiger - Gruelhots Spitzel in der hinteren Stadt.
Auch Ulrich Diekmann als Gruelhot konnte überzeugen. Herausragend sicherlich die Leistung Von Stefan Diekmann, der mit den drei unterschiedlichen Rollen des Stiftprobstes Henricus Guelficus, des Stadtrichters v. Emmern und des Eulenzwitsches fast pausenlos auf der Bühne agierte.
Quicklebendig agierte Erika Gerber als Henkerstochter Rikke und auch der Angebetete „Bunting” Philipp Tieben konnte seine Rolle über weite Strecken mit Leben füllen, auch wenn ihm in einigen Szenen etwas mehr Mut zu mehr Emotionen gut zu Gesicht stehen würde. Auf dem Laufsteg mitten im Publikum wirkten die Schauspieler präsenter und auch das Licht konnte in diesen Szenen wesentlich besser Stimmungen aufbauen als dies oftmals auf der eigentlichen Bühne gelang.
Weitere Aufführungen: Donnerstag 4., Freitag 5., Samstag 6. Juli, jeweils um 20 Uhr. Vorverkauf im Bücherwurm, Alte Kirchstraße und im Mensa-Kiosk der Kurt-Tocholsky-Gesamtschule.
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