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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Effektvolles und verwirrendes Spiel
Premierenbericht / Mindener Tageblatt / 10.05.2003
Tucholsky-Bühne feierte ihre Premiere von „Kochen mit Elvis” im Cafe des Stadttheaters.
Minden (pri).
Mit der Premiere von „Kochen mit Elvis” von Lee Hall stießen die begeisterten Akteure der Tucholsky-Bühne im Cafe im Stadttheater auf ein begeisterungsfähiges Publikum und ernteten wohlverdienten Applaus.
Von Ralf Kapries
Die Beschränkung auf die kleine Bühne und die familiäre Atmosphäre hat den Amateuren gut getan. Regisseur Eduard Schynol konnte den einzelnen Darstellern - es sind nur vier -mehr Aufmerksamkeit widmen und sie so an eine Rolleninterpretation heranführen, die sie zu einer größeren Reife und damit zu einer wirklich sehenswerten Ensembleleistung entwickelten. Alles in allem haben sie sich ihren Applaus also redlich verdient.

Wirklich beeindruckend aber ist die ungeheure Spielfreude, die allen Schynol-Produktionen anzumerken ist; sie ist der markante Stempel, den er der Tucholsky-Bühne aufdrückt und die Atmosphäre und Publikumsbindung schafft. Wer als Zuschauer dieses Stück durchlebt, oder besser durchlitten hat, der hat das Lachen in seiner Vielseitigkeit kennen gelernt.
Obwohl nicht wirklich komödiantisch, bietet Lee Hall doch eine Fülle skurriler Personen und Situationen, die durchaus komisch wirken. Aber er erweckt nicht nur Amüsement, sondern auch das Lachen der Erleichterung, um den Druckstau der Beklemmungen angesichts der wirklich verqueren Situation gelegentlich zu lösen. Hall konzentriert die Verfahrenheit einer mitleidlosen Gesellschaft ohne Ideale auf den Raumeiner (inklusive des gemeinsamen „Lovers”) vierköpfigen Familie und schließt selbst den sonst so gerne begangenen Rückzug in das heimische Idyll aus. Auch hier reden alle aneinander vorbei und kultivieren ihr eigenes Neurosen-Gärtlein.
Einzig „Kuchenmann” Stuart, der als dümmlicher „Zuchtbulle” leicht unfreiwillig für die Befriedigung der sexuellen Bedürfnisse aller zuständig ist, geht gutmütig auf sein jeweiliges Gegenüber ein - und wirkt gerade dadurch komisch. Das alles wird in einer erfrischend lockeren Sprache serviert; jedenfalls, wenn man an leicht Anstößigem nicht so leicht Anstoß nimmt.
Silvia Eyres führt die Ensembleleistung mit ihrer überzeugenden Darstellung der etwas hysterischen, magersüchtigen und stark sexsüchtigen Gattin an, die ihren gelähmten Mann am liebsten (buchstäblich) in den Anbau „abschiebt”. Der dämmert nach einem schweren Autounfall im Rollstuhl vor sich hin und hängt seinen Träumen als „King” Elvis nach, den er einst imitierte.
Jörg Homeier mimte überzeugend diese Rolle, die wegen ihrer zahlreichen Brüche große Anforderungen an den Schauspieler stellt.
Ebenso überlegen bewältigt Katine Foukis den Part der für ihre 14 Jahre schon sehr reifen Tochter Gill, die den Vater versorgt, den Haushalt „schmeißt” und sich vielleicht etwas intensiv für gutes Essen interessiert.
Stefan Diekmann stellt sehr überzeugend den Kuchenkontrolleur Stuart als dümmlich aber um so potenteren Hausfreund dar.
Doch als das Ganze sich schließlich in ein groß angelegtes Spektakel auflöst, bei dem Schynol wild die Register der Theaterdramaturgie zieht, Papa im Elvis-Wahn total abhebt, Mutter und Tochter nur noch in sich hineinfressen, zerplatzen beim Zuschauerauch die letzten Hoffnungen darauf, der moderne Autor möge nun endlich die Vielfalt der von ihm angelegten Konfliktpunkte aufgreifen und zum klassischen „Knoten schürzen”, den es im Folgenden zu lösen gilt. Oder wird hier nur die -allerdings klassische - Empfehlung des Theaterdirektors in Goethes „Faust” aufgenommen: „Sucht nur die Menschen zu verwirren, sie zu befriedigen, ist schwer...”?
Weitere Aufführungen: 10., 11. 15., 16., 17., 18., 22., 23., 25. Mai jeweils um 20 Uhr im Cafe im Stadttheater
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