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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Mac Namara wirds schon zurecht rücken
15.08.2009
"Ein, Zwei, Drei" wird trotziger Kommunist zum vorzeigbaren Schwiegersohn / Gelungene Premiere für Tucholsky-Bühne
von Ursula Koch
Minden (mt). Am 13. August 1961 wurde in Berlin mit der Errichtung des antikapitalistischen Schutzwalls begonnen. Berlin wurde für 28 Jahre zur geteilten Stadt. Vor 20 Jahren öffnete sich der Eiserne Vorhang wieder. Genau zum richtigen Zeitpunkt als feierte die Tucholsky-Bühne am Donnerstagabend mit der turbulenten Komödie "Eins, Zwei, Drei" Premiere.
Inspirationsquelle für die Amateur-Bühne ist deutlich stärker der gleichnamige Film als das Bühnenstück des Ungarn Ferenc Molnar. Das wurde 1961 von Billy Wilder in die Zeit des Kalten Krieges verlegt. Die Dreharbeiten begannen im Juni 1961, als die Grenze noch durchlässig war. Als der Film in die Kinos kam, stand die Mauer, die Grenze war abgeriegelt, niemand konnte so recht über die Ost-West-Komödie lachen. Erst in den 80er-Jahren avancierte Wilders Film mit James Cagney, Hanns Lothar, Liselotte Pulver und Horst Buchholz zum Kinohit.

Ein Hit wird sicherlich auch die Adaption durch Eduard Schynol und seine Truppe, die das Spiel zwischen den ideologischen Fronten mit Schwung und Witz auf die Bühne bringt. Über der Spielfläche ragt das Brandenburger Tor als Banner empor, dessen Säulen in der Gestaltung von John Mac Krell die Form von Colaflaschen angenommen haben, zentrale Figur der Quadriga ist die Freiheitsstatue, deren Wagen von den Berliner Bären gezogen wird. Das gibt die Marschrichtung der Interpretation vor.
Stefan Diekmann spielt den schlitzohrigen Coca-Cola-Deutschlandchef Mac Namara, dem zu jedem Problem eine Lösung einfällt, die ihn möglichst gut dastehen lässt. Mit der reizenden Lydia Löhnebünde (Randa Lillwitz) und dem militärisch-strengen Fräulen Schlämmer (Thea Luckfiel) stehen ihm gleich zwei Assistentinnen zur Seite, um die Verwicklungen, die Scarlett (Melina Alsdorf), naiv-unbekümmertes Töchterchen des großen Cola-Bosses, durch ihre Liebe zu dem linientreuen Kommunisten Otto aus dem Osten heraufbeschwört. Benjamin Bloech hat nicht nur eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem jungen Horst Buchholz, sondern spielt seine Rolle auch mit der nötigen Portion Trotz und ideologischem Starrsinn.
Zwar heißt der Chauffeur Dr. Doebbels (Jürgen Memke), doch klebt die braune Vergangenheit an Fräulein Schlämmer. Dass diese Rolle gegenüber der Filmvorlage das Geschlecht wechselt, ist einer der zusätzlich eingebauten Gags, zu denen auch eine echte Verfolgungsjagd mit ferngesteuerten Autos gehört. Der große Monitor in der rückwärtigen Bühnenwand illustriert geschickt die verschiedenen Schauplätze in Ost und West und macht zugleich Gesprächspartner am Telefon für das Publikum sichtbar.
Viel Komik bringen auch Friedhelm Steinbich, Heinfried Göbel und Wolfgang Tieben ins Spiel, die zugleich sowjetische Kommissare wie Ottos Verwandler und Adoptivmütter (die adeligen Klofrauen aus dem Kampinsky) darstellen. Höchst amüsant bringt die Tucholsky-Bühne damit Gesellschaftskritik auf die Bretter.
Weitere Aufführungen: 15, 21., 22., 28., 29. August, 4., 5., 9., 11. und 12. September jeweils um 20 Uhr; 16. und 30. August jeweils um 18 Uhr im Fort A (Festungsstraße); Karten bei express, Bücherwurm und www.tucholsky-buehne.de
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