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Jackie Zucker - ein Schlitzohr steckt in der Zwickmühle
Premierenbericht / Mindener Tageblatt / 13.09.2010
Bühnenfassung einer Filmvorlage verlangt Höchstleistungen von allen Beteiligten der Tucholsky-Bühne
Minden (pri). Mit einer Uraufführung begann die Tucholsky Bühne Minden am Freitagabend ihre Wintersaison. Im Gemeindehaus der Petrikirche erntete das Ensemble mit seiner Theaterfassung von "Alles auf Zucker", einem Film von Dani Levy und Holger Franke, viel Applaus.
von Ralf Kapries
"Bis zum Hals in der Scheiße, aber die Aussicht ist gut", so charakterisiert "Jackie Zucker" seine Situation. In der ehemaligen DDR war Jakob Zuckermann als Sportreporter ein Star. Doch außer einigen verknickten Autogrammkarten ist vom alten Glanz nichts mehr übrig geblieben. Er ist arbeitslos, verschuldet, seine Ehe kriselt und die Kinder wollen nichts mehr von ihm wissen. Aber er schlägt sich so durch.
Der Gewinn eines Billardturniers von 100 000 Euro würde seine finanziellen Sorgen lösen, doch kommt Mamas Tod und die Meschpoche aus Stuttgart dazwischen - alles wegen Mamas ausgefallenem Testament.

Zores im Hause Zuckermann (von links: Moritz Thiel, Nina Peschek, Heike Dannenberg und Rudi Menzel). | Foto: Ralf Kapries
Für die Zuschauer ist dies trotzdem ein unbeschwertes Stück. Es gibt Einblicke in die Beziehung einer jüdischen Familie nach Mauerbau und Mauerfall. Es gibt Familienkonflikte und Krach. Es gibt mit dem Tod der Mutter den traurigen Anlass und die amüsante Ausführung. Es endet wie es begonnen hat: Mit einem augenzwinkernden "Na ja, was soll´s".
Den Darstellern hingegen verlangt die zweistündige Aufführung Höchstleitungen ab. Das gilt für den sichtbaren, wie für den eigentlich unsichtbaren Teil im Umbaulicht. Die rasche filmische Szenenfolge verlangt flinke, gut organisierte Umbauten. Regisseur Eduard Schynol und seine Mannen spielen daher auf schwarzer Bühne mit wenig Requisiten und sehr beweglichen, vielseitig verwendbaren Elementen des Bühnenbildes. Über dem Portal prangt in fast derselben Größe eine Leinwand, die wieder Farbe ins Spiel bringt. Gezeigt werden neben Interieurs aber auch Spielszenen, wie die Eröffnung der "7. European - Spreespucker Poolclassics" in Berlin durch Bürgermeister Michael Buhre "per Satellit" aus Minden. Gags müssen sein.
Schwierig ist es aber auch für die Darsteller im Scheinwerferlicht, deren Amateurstatus ihren spielerischen Mitteln doch Grenzen setzt, wenn es darum geht, die kurzen Szenen in kürzester Zeit in Schwung zu setzen. Kaum ist die Handlung in Gang, ist sie auch schon wieder zu Ende. Den Mangel an Intensität gleicht jedoch die schwungvolle und facettenreiche Darstellung Jackie Zuckers durch Rudi Menzel fast vollständig wieder aus. An seiner Seite steht eine energiegeladenen Heike Dannenberg als Jackies Frau Marlene. Durchsetzungskraft entwickelt auch Thea Luckfiel, während die Darstellung orthodoxer Juden oft zu verhalten ausfiel.
Durchweg haben alle Beteiligten gute Arbeit geleistet und ein sehenswertes Stück produziert. Nun gilt es, die (Applaus-) Ernte einzubringen.
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