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Gelungene Dürrenmatt-Premiere der Tucholsky-Bühne
Premierenbericht / Neue Westfälische / 00.00.0000
Milliardärin ruft zum Mord auf - die Bürger folgen
Eine zurückhaltende, aber effektvolle Kulisse, ein Ensemble das den Anforderungen des Stückes über weite Strecken gewachsen war und nicht zuletzt die herausragende Darstellung der Claire Zachanassian: Eine gelungene Premiere von Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame” feierte die Tucholsky-Bühne in der Mindener Doppelaula.
Von Andreas Schöneberg
Eine zurückhaltende, aber effektvolle Kulisse, ein Ensemble das den Anforderungen des Stückes über weite Strecken gewachsen war und nicht zuletzt die herausragende Darstellung der Claire Zachanassian: Eine gelungene Premiere von Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame” feierte die Tucholsky-Bühne in der Mindener Doppelaula.
Dürrenmatts Botschaft ist eindeutig. Für Geld tut der Mensch alles. Dieser Regel folgen auch die Einwohner der Kleinstadt Güllen. Der Auslöser ist die unerwartete Heimkehr der Milliardärswitwe Ciaire Zachanassian, die einst als Kläri Wäscher in Güllen aufwuchs, dann aber von ihrer Jugendliebe Alfred Ill im Stich gelassen und von den Einwohnern hochschwanger aus der Stadt gejagt wurde.
Nun will sie im hohen Alter Rache nehmen und fordert Ills Kopf.
Trotz anfänglicher Proteste siegt am Ende die Geldgier und aus dem angesehenen Kaufmann wird der Geächtete, der aus dem Leben scheiden muss, damit die Stadt die Todesprämie von einer Milliarde einsacken kann.
Regisseur Eduard Schynol hat die Kulisse auf ein Minimum zurückgefahren. Nur ein paar Holzpaneele deuten die Häuser der Stadt an. Die Vorteile des schlichten Bühnenbildes zeigen sich im Laufe des Stückes. Wenn die Bürger in unterbewusster Vorausahnung damit beginnen, Schulden zu machen, reicht eine einfache Tapetenrolle, um den Häusern der Stadt einen frischen Anstrich zu verleihen.
Viel Raum bekommen dagegen schön groteske Bilder, zum Beispiel, wenn junge Mädchen als Bäume verkleidet die romantische Kulisse für ein Treffen zwischen Ciaire und Alfred bilden und auch noch - Kuckuck und Specht imitierend - für akustische Untermalung sorgen.
Wie bereits zuletzt in der Inszenierung des „Rattenfängers” nutzt Schynol einen Laufsteg durch den Zuschauerraum, der effektvoll den Bahnhof darstellt und die Schauspieler ganz nah an das Publikum heranbringt. Auf dem Steg findet dann auch die Schlüsselszene für den Geisteswandel in Güllen statt. Als Alfred Ill den Ort verlassen will, versammeln sich dort die wichtigsten Bürger, um ihn aufzuhalten. Den aufgewühlten seelischen Zustand nach außen tragend, laufen sie wirr umher, bevor sie schließlich den Entschluss fassen, Ill aufzuhalten.
Letztendlich aber auch den Entschluss, ihn dem Wohl der Stadt zu opfern. Dass der Steg auch Nachteile hat, liegt auf der Hand. In manchen Situationen bleiben Mimik und Ausdruck eines Schauspielers einem Teil des Publikums verborgen, weil dieser ihnen den Rücken zudreht.
Zentrale Bedeutung für den Erfolg der Inszenierung haben Rudi Menzel als Alfred Ill und Bettina Ehmer-Turner als Claire Zachanassian. Menzel gelingt es, die Entwicklung vom naiven Kaufmann, der immer noch an seine verführerische Wirkung auf die ehemalige Jugendliebe glaubt, zum gehetzten Todeskandidaten überzeugend darzustellen. Bettina Ehmer-Turner ist für die Besetzung der alten Dame ein Glücksgriff.
Dies wird bereits deutlich, als die schrille Stimme der alten Dame erstmals über den Bahnhof erschallt. Es macht einfach Spaß, ihr dabei zuzusehen, wie sie mit gelassener Selbstverständlichkeit ihre Diener herumkommandiert. Und selbst die Forderung nach Alfred Ills Tod kommt so süßlich säuselnd über ihre Lippen, dass man sich schon fast wundern muss, warum man ihr den Wunsch zunächst abschlägt.
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