|
Stückauswahlmenü -- (
Öffnen / Schließen
)
|
Tucholsky Bühne Theater in Minden
|
|
- Pressespiegel
|
Tucholsky Bühne Theater in Minden
|
Spiel um Macht und Intrigen in starker Kulisse
Premierenbericht / Mindener Tageblatt / 12.08.2006
Tucholsky-Bühne führt Hebbels „Nibelungen" im Besucherbergwerk Kleinenbremen auf / Kräftiger Applaus für Premiere
Von Ursula Koch
Porta Westfalica-Kleinen-bremen (mt). Dieses Theatererlebnis beginnt bereits hinter der Kasse. Vor dem Eingang ins Besucherbergwerk Kleinenbremen steht ein historischer Triebwagen bereit, der die Besucher in den Berg bringt, wo sie in eine enge Loren-Bahn umsteigen, die sie durch mal dunkle, mal erleuchtete Stollen im Berg schaukelt. 90 Meter unter der Erde befindet sich das einzige Theater Ostwestfalens mit U-Bahn-Anschluss.

In der imposanten Felsenkulisse feierte die Tucholsky-Bühne am Donnerstagabend mit Hebbels „Die Nibelungen - Siegfrieds Tod" ihre gelungene Premiere.
Auf rund eineinhalb Stunden Spieldauer hat Regisseur Eduard Schynol Hebbels Trauerspiel verdichtet. Es beginnt mit flirrendem Licht an der Felsendecke und zartem Gesang vom Band. Silvia Eyres rezitiert im Sprechgesang einige Strophen des Nibelungen-Liedes in mittelhochdeutscher Sprache. Auf diesen lieblichen Beginn folgt ein jäher Bruch: Martialisches Kampfgeschrei ertönt, Siegfried (Besnik Selimaj) kämpft mit dem Drachen (Agron Selimaj). Salti vorwärts und rückwärts aus dem Stand - das ist atemberaubende Akrobatik.
Ein starker Auftakt für diese gelegentlich etwas stockende aber dennoch spannende Szenenfolge, bei der Schynol ganz zu Recht auf die Wucht des Ortes setzt und das Bühnenbild darum bewusst sparsam hält. Gaze-Vorhänge hinter der Bühne schließen die Szenerie ab und lassen doch, wenn gewollt, Durchblicke" zu.
Zwei Podeste rechts und links auf der Bühne deuten Räume nur an. Rudi Brune und seine Mannschaft von der Technik leisten ganze Arbeit, denn allein Licht und Musik sorgen für Stimmungswechsel. Den Hof der mächtigen und unbeugsamen Königin Brunhild von Isenland (Beate Schweinsberger) tauchen sie in blutrotes Licht, während das Reich des Königs Günther von Burgund (Heinfried Göbel) in kaltem Blau erstrahlt. Licht von unten lässt Mörder und Verschwörer noch unheimlicher aussehen. Die Kostüme sind zeitlos gehalten, charakterisieren lediglich die jeweilige Rolle. Die Ritter tragen Tarnanzug-Hosen und Sweatshirts (burgunder-farben für die Burgunder, orange für die aus Niederland), nur bei Ute und Kriemhild sind Anklänge ans Mittelalter sichtbar, während die Walküre Brunhild ganz in Schwarz gewandet ist.
Schauspielerisch trumpfen vor allem Beate Schweinsberger, Stefan Diekmann und Christine Pohl auf.
Schweinsberger verleiht der Rolle der Brunhild die nötige Portion Stolz und Herrschsucht. Diekmann gibt einen durch und durch falschen Hagen von Tronje, immer freundlich, doch voller Hintergedanken. Pohl wandelt sich glaubwürdig von der zarten Prinzessin zur rachsüchtigen Furie, in der Rage allerdings leidet gelegentlich die Artikulation, doch diese kleine Schwäche lässt sich sicherlich rasch ausbügeln. Das Amateur-Ensemble insgesamt zeigt eine homogene Leistung.
Für das spannende Spiel um Macht und Intrigen in dieser mächtigen Kulisse gab es vom Premierenpublikum zu Recht kräftigen Applaus - in den die Bergleute, die das alles erst ermöglicht haben, mit einbezogen wurden.
|
- Pressespiegel
|
Tucholsky Bühne Theater in Minden
|
