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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Die Macht tanzt Tango
Premierenbericht / Mindener Tageblatt / 23.01.2007
Tucholsky-Bühne feiert mit Farce Premiere
Minden (mt). "Vom Winde verweht" wurde die Premiere der Tucholsky-Bühne am Donnerstagabend. Nachdem "Kyrill" abgezogen war, konnte sich am Freitag im Theater im Café doch noch der Vorhang für Slavomir Mrozeks Farce "Tango" öffnen.
Das Publikum bedachte die solide Inszenierung mit herzlichem Applaus.
Von Ursula Koch
Thema des 1965 uraufgeführten Theaterstücks "Tango" des polnischen Autors ist die Sehnsucht nach Ordnung im Chaos. Sohn Artur, gespielt von Fabian Kaiser, opponiert gegen seine Eltern Stomil (Udo Schmid-Loertzer) und Eleonore (Marion Lintz), die sich noch immer für die Avantgarde halten, alle Normen negieren. Oma Eugenia (Anne Möller-Thiel) und Onkel Eugen (Heinfried Göbel) haben sich damit offenbar arrangiert, zocken munter mit Edek (Ulrich Diekmann), dem Liebhaber der Mutter.
Das Chaos spiegelt Rudi Menzel, der zum ersten Mal für die Tucholsky-Bühne Regie führt, sowohl im Bühnenbild wie in den Kostümen. Eugen trägt zum Frack gestreifte Shorts, Eugenia zum gelb-gepunkteten Kittel ein gestreiftes T-Shirt, Stomil einen karierten Schlafanzug. Einzig Eleonore fällt in ihrem Kleid mit Perlenkette ein wenig aus dem Bild. Rund um den Holztisch stehen verschiedene Stühle, in der Ecke steht noch immer Arturs Kinderwagen und auf der leicht vergilbten Tapete prangt ein Che-Guevara-Poster.

Einen Moment lang hat Artur (Fabian Kaiser) seine Familie, Braut Ala (Beate Schweinsberger), Mutter Eleonore (Marion Lintz), Vater Stomil (Udo Schmid-Loertzer) und Onkel Eugen (Heinfried Göbel) im Griff.
(MT-Foto: Ursula Koch)
In "diesem Bordell ohne Regeln" will Artur eine neue Ordnung etablieren. Eugen wird sein Verbündeter und Kusine Ala (Beate Schweinsberger), die gerade zu Besuch ist, sein Mittel zum Zweck. Die Hochzeit mit ihr soll die Keimzelle zu Arturs neuer Ordnung legen.
Mit der bevorstehenden Hochzeit wandelt Menzel auch die Szenerie: Weißes Tischtuch, die Stühle einheitlich verkleidet, statt Che Guevara hängt nun George Bush an der Wand und sogar Vater Stomil trägt grummelnd einen Anzug.
Alle Darsteller agieren glaubwürdig. Die schillerndste Rolle besetzt Udo Schmid-Loertzer, der in Stomils Monologen gelegentlich ein wenig monoton wird, aber die Farce auf die Spitze treibt, als Artur ihn mit der Pistole in der Hand in das Zimmer der Mutter schicken will, in dem sich auch Edek aufhält. Gefühlsmäßig ist er sich mit seinem Sohn einig, doch ihm fehlt der "logische Imperativ" zum Handeln. Diesen Zwiespalt bringt Schmid-Loertzer mitreißend auf die Bühne. Doch das bleibt auch die einzige turbulente Szene in dem arg dialoglastigen Stück. Da kann auch der Versuch der Politisierung den Funken nicht so recht zünden.
Am Ende erkennt Artur, dass eine Ordnung ohne Idee hohl bleibt. Noch bevor er verzweifelt zum Revolver greifen kann, wird er von Edek getötet, der ohne Skrupel die Macht an sich reißt tragisches Ende einer Farce. Und so tanzt der Opportunist Eugen mit Edek (in Cowboystiefel und Fransenweste als Prototyp des Amerikaners) einen letzten Tango.
Weitere Aufführungen: 2., 23. und 24. Februar jeweils um 20 Uhr, 4. Februar um 18 Uhr, 9. und 10. Februar um 22 Uhr im Theater im Café; Karten bei express und im Bücherwurm.
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