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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Präzise Maßarbeit im Theatercafe
Premierenbericht / Mindener Tageblatt / 09.02.2002
Shaffers „Komödie im Dunkeln” der Tucholsky-Bühne überzeugt als gelungene Inszenierung
Minden (mar).
Der Versuch, eine ungefragt beim Nachbarn ausgeborgte Lampe wegen dessen verfrühter Rückkehr unbemerkt zurückzuschaffen, ist schon im Hellen fast zum Scheitern verurteilt. Aber im Dustern? Die Lichtverhältnisse spielten bei der Premiere der Tucholsky-Bühne mit „Komödie im Dunkeln” eine entscheidende Rolle.
Von Martin Steffen
Komödien gelten als leichte Kost. Von wegen. Gut eineinhalb Stunden lang eine mehr oder minder aberwitzige Handlung auf die Bühne zu bringen, stellt in jedem Fall eine Leistung dar. Was die Akteure der Tucholsky-Bühne unter Eduard Schynohl bei der Premiere im Theaterfoyer mit ihrer Fassung der „Black Comedy” des britischen Autors Peter Shaffer boten, überzeugte durch witzige Regieeinfälle, Spieltempo und Rollenbesetzung. Ebenso wichtig war aber auch, dass der Regisseur für seine Produktion die richtige Länge gefunden hatte.

Der mittelmäßige Künstler Brindsley Miller und seine Verlobte Carol Melkett wollen zwei Herausforderungen zugleich meistern:
Erstens soll Carols Vater, ein Armeeoberst von eher ruppigem Charme, vom Wert der Verbindung seiner Tochter mit Brindsley überzeugt werden. Dann ist da noch der Millionär und Kunstmäzen George Godunov, den die beiden ebenfalls eingeladen haben, in der Hoffnung, er werde Brindsleys Kunstwerken zum Durchbruch verhelfen.
Soweit die Planung.
Ein Kurzschluss verfinstert die Londoner Wohnung. Diese „Dunkelheit”, nur gelegentlich von „Licht” unterbrochen, bietet den Rahmen des bizzaren Geschehens inmitten umstürzender Möbel, tastender Handgriffe und stolpernder Füße in Michael Engberts Bühnenbild.
Was die Verhältnisse noch weiter verkompliziert, ist das Wiederauftauchen von Brindsleys langjähriger Freundin Clea (Tanja Buddensiek), die unter Ausnutzung des Kurzschlusses die Wackeligkeit von Brindsleys Verlobung mit der oberflächlichen Obristentochter Carol (Mareike Tolkien) unter Beweis stellt und ihre älteren Rechte geltend machen kann . . .
Finsternis und Licht werden vertauscht dargestellt und das gelingt den Tucholsky-Akteuren brillant. Wenn im Dialog auf der in Licht getauchten Bühne die Schauspieler konzentriert aneinander vorbeistarren, um ihr Gegenüber in der „Finsternis” zu erkennen, garantiert das schon einige Heiterkeit. Das will ebenso gelernt und beherrscht sein, wie das Fallen über Stühle, Koffer und Tische oder das Verschütten der Drinks.
Die Besetzung der Rollen tut ein übriges: Der unsichere, panische Brindsley (Ray) im Pfeffer-und-Salz-Jackett samt dicker Brille sieht sich einem bärbeißigen Colonel Melkett (Rudi Menzel) gegenüber - eine Komplettausgabe „des” angelsächsischen Obristen, der aus Schnauzbart, vorgerecktem Kinn, heiserer Stimme, sarkastischen Formulierungen und ländlich orientierter Mode zu bestehen scheint.
Regisseur und Akteure dürfte die Frage beschäftigt haben, wie man ein stockbritisches Theaterstück im Mindener Theaterfoyer aufführt. Sie haben sich dafür entschieden, in der Wahl des Ortes am Original zu bleiben und so die Atmosphäre auch in die deutsche Fassung zu retten.
Kay Caton in der Rolle des effe-minierten Kunstsammlers Harold Gorringe trägt zum Londoner Kolorit des Stückes ebenso bei wie Miss Furnival (Bettina Ehmer) als frömmelnde alte Jungfer mit Neigung zur Flasche. Christoph Braun überzeugt als Elektroinstallateur Alexej Schupansky, dessen dunkelheitsbedingte Verwechslung mit dem Mäzen Godunov (Karl Heinz Ochs) letztlich diese typisch englische Komödie furios auf die Spitze treibt.
Aufführungen im Theatercafe: 11., 14., 15., 16.18. und 19. Februar, jeweils um 20 Uhr, 17. Februar um 18 Uhr
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