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Schnipsel
Aphorismen von Kurt Tucholsky
Eine kleine unsortierte Ansammlung einiger Aphorismen Kurt Tucholskys, die er selbst "Schnipsel" genannt hat. Sie bestehen meist aus kurzen und oft bissig formulierten Kommentaren zur Tagespolitik der Weimarer Republik.
"Deutschland ist eine anatomische Merkwürdigkeit: Es schreibt mit der Linken und tut mit der Rechten." - "Schnipsel", in: "Die Weltbühne", 3. Februar 1931, S. 185
"Dick sein ist keine physiologische Eigenschaft - das ist eine Weltanschauung." - "Priester und Detektiv", in: "Die Weltbühne", 10. Juni 1920, S. 700f
"Die Basis jeder gesunden Ordnung ist ein großer Papierkorb." - "Das kann man noch gebrauchen -!", in: "Neue Leipziger Zeitung", 19. August 1930
"Die Satire muss übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird, und sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten. [...] Was darf die Satire? Alles." - "Was darf die Satire?", in: "Berliner Tageblatt", Nr. 36, 27. Januar 1919
"Die Katze ist das einzige vierbeinige Tier, das den Menschen eingeredet hat, er müsse es erhalten, es brauche dafür aber nichts zu tun." - "Der Katzentrust", in: "Vossische Zeitung", 17. Juni 1928
"Dies ist die wahrste aller Demokratien, die Demokratie des Todes." - "Befürchtung", in: "Die Weltbühne", 9. Juli 1929, S. 71
"Ein Leser hats gut: er kann sich seine Schriftsteller aussuchen." - "Schnipsel", in: "Die Weltbühne", 3. Februar 1931, S. 185
"Eine der schauerlichsten Folgen der Arbeitslosigkeit ist wohl die, dass Arbeit als Gnade vergeben wird. Es ist wie im Kriege: wer die Butter hat, wird frech." - "... zu dürfen", in: "Die Weltbühne", 14. Oktober 1930, S. 597
"Eine Regierung ist nicht der Ausdruck des Volkswillens, sondern der Ausdruck dessen, was ein Volk erträgt." - Brief an Dr. Hedwig Müller, 29. März 1934, in: "Briefe aus dem Schweigen", S. 97
"Eine Reisebeschreibung ist in erster Linie für den Beschreiber charakteristisch, nicht für die Reise." - "Horizontaler und vertikaler Journalismus", in: "Die Weltbühne", 13. Januar 1925, S. 49f.
"Einige Analphabeten der Nazis, die wohl deshalb unter die Hitlerschen Schriftgelehrten aufgenommen worden sind, weil sie einmal einem politischen Gegner mit dem Telephonbuch auf den Kopf gehauen haben, nehmen Nietzsche heute als den ihren in Anspruch. Wer kann ihn nicht in Anspruch nehmen! Sage mir, was du brauchst, und ich will dir dafür ein Nietzsche-Zitat besorgen." - "Fräulein Nietzsche", in: "Die Weltbühne", 12. Januar 1932, S. 54f.
"Er war eitel wie ein Chirurg, rechthaberisch wie ein Jurist und gutmütig wie ein Scharfrichter nach der Hinrichtung." - "Schnipsel", in: "Die Weltbühne", 26. Januar 1932, S. 416
"Erwarte nichts. Heute: das ist dein Leben." - "Schnipsel", in: "Die Weltbühne", 15. September 1931, S. 140
"Es gibt keinen Erfolg ohne Frauen." - "Rote Signale", in: "Die Weltbühne", 29. Dezember 1931, S. 959.
"Es gibt Leute, die wollen lieber einen Stehplatz in der ersten Klasse als einen Sitzplatz in der dritten. Es sind keine sympathischen Leute." - "Schnipsel", in: "Die Weltbühne", 8. März 1932, S. 377
"Es gibt vielerlei Lärme. Aber es gibt nur eine Stille." - "Zwei Lärme", in: "Die Weltbühne", 28. Juli 1925, S. 129
"Es ist ein Unglück, dass die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleinern Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas -: vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahingegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen." - "Schnipsel", in: "Die Weltbühne", 19. Juli 1932, S. 98
"Gott erhalte uns die Freundschaft. Man möchte beinah glauben, man sei nicht allein." - "Pause auf dem Töpfchen", in: "Die Weltbühne", 23. September 1930, S. 497
"Hundebesitzer sind die rücksichtslosesten Menschen auf der Welt." - "Traktat über den Hund, sowie über Lerm und Geräusch", in: "Die Weltbühne", 2. August 1927, S. 181
"In der Ehe pflegt gewöhnlich immer einer der Dumme zu sein. Nur wenn zwei Dumme heiraten -: das kann mitunter gut gehn." - "Schnipsel", in: "Die Weltbühne", 9. August 1932, S. 205
"Ist dir noch nicht aufgefallen, wie viel Frechheit durch Unsicherheit zu erklären ist?" - "Schloß Gripsholm"
"Jeder Mensch hat eine Leber, eine Milz, eine Lunge und eine Fahne; sämtliche vier Organe sind lebenswichtig. Es soll Menschen ohne Leber, ohne Milz und mit halber Lunge geben; Menschen ohne Fahne gibt es nicht." - "Der Mensch", in: "Die Weltbühne", 16. Juni 1931, S. 889f
(** Der Inhalt dieser Unterseite ("Schnipsel") ist verfügbar unter der "GNU Free Documentation License")
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