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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Fruchtbare Symbiose
Premierenbericht / Mindener Tageblatt / 11.01.2011
Tucholsky-Bühne spielt "Biedermann und die Brandstifter" im Rathaus
Minden (mt). Der Spielort und das ausgewählte Schauspiel gehen bei der Tucholsky-Bühne wieder einmal eine fruchtbare Symbiose ein. Am Sonntag feierte die Mindener Amateur-Bühne mit Max Frischs "Biedermann und die Brandstifter" Premiere in der Bürgerhalle des Rathauses.
von Ursula Koch
Der Premierentermin ist zugleich der 111. Geburtstag des Journalisten, Schriftstellers und Satirikers Kurt Tucholsky, und zugleich jährt sich in diesem Jahr der Geburtstag des Schweizers Frisch zum 100. Mal. Sein "Lehrstück ohne Lehre" ausgerechnet im Rathaus aufzuführen, wo im März 1933 die Nationalsozialisten stärkste Fraktion im Stadtparlament wurden, war sicherlich ganz im Sinne Tucholskys.
Regisseur Eduard Schynol stellt mit seiner Inszenierung einerseits den Bezug zu den Nazis her, indem er den Brandstifter Guido Schmitz sich auf offener Bühne vom Trachtenburschen mit König-Ludwig-Bart zum Braunhemd wandeln lässt. Aber Schynol stellt auch den Bezug zur Gegenwart her, indem er den zweiten Brandstifter auf den Namen Josef Ackermann umtauft. Dass er den Chor der Feuerwehrmänner in Brandwache umtauft und der Weltverbesserin den Namen Schnarrenleuther gibt, sind kleine Gags am Rande.

Gottlieb Biedermann (Heinfried Göbel, rechts) begegnet einem der Brandstifter (Felix Bornemeier) mit großer Freundlichkeit. | MT-Foto: Ursula Koch
Die Empore neben der Pförtnerloge hat die Tucholsky-Bühne in eine Guckkastenbühne mit gutbürgerlicher Wohnstube verwandelt. Die Galerie darüber dient jetzt als Dachboden. Sieh da, die Bürgerhalle bietet als Theater doch allerhand Potenzial. Heinfried Göbel und Susanna Tieben spielen glaubwürdig das Ehepaar Biedermann, das zwar ahnt, dass seinen Gästen auf dem Dachboden nicht zu trauen ist. Sie wollen aber auch keine Unmenschen sein, und verschließen die Augen. Felix Bornemeier und Stefan Diekmann verkörpern die Brandstiftern mit der notwendigen Doppelbödigkeit. Auch die weiteren Mitspieler zeigen eine solide Leistung.
Am Timing muss die Truppe noch ein wenig arbeiten. Die Hupe ertönt ein wenig zu spät, dafür der Knall, mit dem alles in die Luft fliegt, ein wenig zu früh. Und auch die Texte sind in der letzten Zuschauerreihe nicht immer zu verstehen. Aber das wird sich im Laufe der Aufführungen sicherlich noch einspielen. Dass das Schlussbild das zerbombte Minden zeigt, ist angesichts der zuvor gesetzten Bezüge nur folgerichtig.
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