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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Tucholsky Bühne Theater in Minden
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Der doppelte Eduard
Premierenbericht / Mindener Tageblatt / 15.01.2005
Edurad Schynol inszeniert mit der Tucholsky Bühne Eduardo de Filippo
Das Ensemble freut sich über den Schlussapplaus bei der gelungenen Premiere.
Von Ralf Kapries
Minden (pri). Mit viel Mut und unbändiger Spielfreude startet die Tucholsky Bühne ins neue Jahr. Spielleiter Eduard Schynol hat dafür Das Vergnügen, verrückt zu sein“ von Eduardo Filippo aufgestöbert.
Nun hatte das Volksstück im Theater im Café Premiere. Den Erlös einer Sammlung in Höhe von 1083 Euro spendete das Ensemble der MT-Aktion zugunsten der Flutopfer in Minden Village“/Sri Lanka.
Mag sein, dass es Gründe gibt, weshalb de Filippo in hiesigen Breiten nicht oft gespielt wird; vielleicht gibt es auch Übertragungsverluste auf dem langen Weg von Süditalien bis in den Norden, oder die Scherze des Neapolitaners treffen nicht immer das preußisch geprägte Lebensgefühl.
Schynol kann jedoch auf eine Auffrischung aus dem entgegen gesetzten Zipfel dieses Bundeslandes setzen, denn in der Rolle des Gennaro de Sia, Anführer einer abgerissenen Schauspieltruppe, brilliert Rudi Menzel. Er generiert auf der Bühne ein sprachliches Kölsch-Light“, das Erinnerungen an sehenswertes Volkstheater weckt.
Menzel, sprühend vor rheinischem Lebensgefühl, dominiert durchgehend kraftvoll und kraftspendend jede Szene, in der er auftritt. Trocken wie Butterbrotpapier spielte hingegen Udo Schmidt-Loertzer die Rolle des Conte de Tolentano. Zwischen diesen Polen entfaltet sich das Spektrum der sehr unterschiedlichen Leistungen der Mitglieder des engagierten Laienensembles mit Ambitionen auf’s Amateurtheater.
Die Handlung ist eigentlich gar nicht so kompliziert, wenn man das Pferd von hinten aufzäumt“. Ehefrau Bice will den Fehltritt ihres Gatten, des Comte, rächen und iniziiert eine Affäire mit Don Alberto de Stefano. Sie treffen sich in einem drittklassigen Hotel, in dem auch die erwähnte Schauspieltruppe logiert und in den Strudel der Entwicklungen gerät.
Nach alter Theatertradition entwickelt de Fillipo seine Handlungsstränge natürlich genau anders herum und gestaltet aus den Fäden der Eröffnungsszenen eine verwirrendes Knäuel, das erst im letzten Akt aufgedröselt wird. Auf diese Makulatur tupft und kleckselt de Stefano seine Scherze, wo immer sie nur hinpassen mögen. Kein Wunder, dass zum Schluss noch mit dem Auftritt des vermeintlichen Transsexuellen in die Mottenkiste sexueller Perversionen“ gegriffen wird, denn diese Gestalten“ sind ja immer für einen Witz gut.
Wieder hat sich das Ensemble bei der Gestaltung des Stückes viel Mühe gegeben und etwa ein buntes Bühnenbild gebastelt. Liebevoll ist es ausgestattet. Besonderer Gag: Die Batterie von Gasflaschen am rechten Portal läßt sich drehen und offenbart einen Hausaltar mit allem, was süditalienische Devotionalienhändler an Religions-Kitsch so anbieten. Fehlt nur noch ein Bildnis Padre Pios.
Die Mindener Eduard hat seine Darsteller nicht in die von seinem neapolitanischen (Vor-)Namensvetter so gehassten Buffo- oder gar Folklore-Stil verfallen lassen. Er lässt sie zumeist so spielen, wie ihnen der (westfälische) Schnabel gewachsen ist und wie sie ihre Rolle mit Leben füllen können.
Die so gewonnene Natürlichkeit zeigt sogar Erfolge. Da spielt etwa Fabian Kaiser den Attillo mit herzerfrischender Selbstverständlichkeit. Da gestaltet Alexandra Richter ihre Doppelrolle als Hausmädchen Ninetta mit fast brachialer Verve, während sie das liebe Hausmädchen Asunta als wandelnde Schlaftablette gibt. Andere wuchern eher mit den Pfunden einer langen Bühnenerfahrung: So personifiziert Beate Schweinsberger die Bice mit fast professionellem Tiefgang und großer Ausstrahlung.
Mit derbem und grellbuntem Strich läßt Schynol den transsexuellen Opernstar skizzieren. Sprühend vor Spieleifer warf sich Stefan Diekmann in diese Rolle und schuf so einen letzten Höhepunkt der Inszenierung. Die gelungene Überzeichnung riss die Della Croix aus der gefährlichen Nähe zur realistischen Witzfigur und machte aus ihr ein reines Kunstprodukt, über das man unbelastet lachen konnte. Wer mit dem festen Vorsatz, sich vorbehaltlos zu amüsieren, ins Theater im Café geht, ist bei einer der Vorstellungen gut aufgehoben.
Aufführungen am 19., 21., 22, 27. Januar; 5., 11., 12., 18. und 19. Februar jeweils um 20 Uhr. Kartenvorverkauf im Bücherwurm, express ticketshop und Ticket-Service.
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